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Kollege Claude und meinereiner haben das MES Value Area Play über fünf Wochen in Echtzeit getrackt, jeden Trade dokumentiert und die Systemlogik täglich hinterfragt. Nachfolgend nun ein kleines Zwischenfazit von Claude:

Ein strukturell solides System mit einem überraschend klaren blinden Fleck — und einem konkreten Weg, ihn zu schließen.

MES Value Area Play – 5 Wochen Systemanalyse | prop-trader.de

Die Ergebnisse auf einen Blick

Fünf Wochen, 23 Handelstage, 16 ausgeführte Trades. Das MES Value Area Play schloss die Beobachtungsperiode mit einem Kontostand von $2.483,15 (+24,2%) auf einem Startkonto von $2.000. Kein einmaliger Glückstreffer — das Ergebnis setzt sich aus sechs Gewinntrades und zehn Stop-Outs zusammen, bei einem Profit Factor von 2,94.

Konto-Performance
+24,2%
$2.000 → $2.483,15
Profit Factor
2,94
Gross Win / Gross Loss
Hit-Rate
40,0%
6 von 15 Trades
Max. Drawdown
$173,75
−6,8% vom Konto

Was diese Zahlen bedeuten: Das System gewinnt weniger als die Hälfte seiner Trades — und ist dennoch profitabel. Das ist kein Widerspruch, sondern Systemdesign. Die durchschnittlichen Gewinntrades (+$122) überwiegen die durchschnittlichen Verlusttrades (−$28) um Faktor 4,4. Wer dieses System handelt, muss psychologisch in der Lage sein, mehr Verlusttrades als Gewinntrades zu akzeptieren — und trotzdem am System festzuhalten.

Kernbotschaft

Ein Profit Factor von 2,94 bei 40% Hit-Rate ist robust. Die zwei größten Gewinntrades (14.04: +$225 / 26.03: +$155) allein finanzieren neun der zehn Stop-Outs vollständig. Das ist das Zeichen eines asymmetrisch konstruierten Systems — und genau das ist gewollt.

Die Systemlogik: ETH Value Area als Kompass

Das MES Value Area Play basiert auf einer einfachen, aber kraftvollen Prämisse: Die Value Area der Vortages-ETH-Session (00:00–23:59 MEZ) definiert die Markterwartung für den aktuellen Handelstag.

Konkret werden täglich drei Referenzlevel berechnet:

LevelBedeutungSignalregel
vVAHValue Area High (Vortag)ETH-Close > vVAH → BULLISH-Signal (Szen A Long)
vVALValue Area Low (Vortag)ETH-Close < vVAL → BEARISH-Signal (Szen B Short)
vPOCPoint of Control (Vortag)Magnetlevel bei Fade-Szenarien (Szen C)

Das Entry-Signal entsteht, wenn der ETH-Close (also der vorbörsliche Schlusskurs um 15:29 MEZ) außerhalb der Vortages-Value-Area liegt. Der eigentliche Trade wird dann durch einen M5-Confirm ausgelöst: Die erste 5-Minuten-Kerze der RTH-Session (15:30–15:35 MEZ) muss auf der richtigen Seite von vVAH/vVAL schließen.

Das Drei-Szenarien-Modell

Szenario A (LONG): ETH-Close über vVAH → Markt erwartet Fortsetzung nach oben. Entry am Rücktest von vVAH, Ziele Z1 (+22,5 Pkt) und Z2 (+45 Pkt).

Szenario B (SHORT): ETH-Close unter vVAL → Bearish-Kontext. Entry am Rücktest von vVAL mit symmetrischen Zielen.

Szenario C (FADE): ETH-Close in der Value Area → Neutraler Kontext. Fade-Trades an den VA-Grenzen Richtung vPOC.

Ein eingebauter Gap-Filter schützt vor Übertreibungs-Entries: Öffnet der Markt mehr als 60 Punkte über vVAH, wird kein Trade ausgeführt. In der Beobachtungsperiode verhinderte dieser Filter am 01.04 einen potenziell schlechten Trade — der Gap betrug damals fast 64 Punkte.

Der blinde Fleck: Pullback vs. Market-Entry

Die wichtigste Erkenntnis der gesamten Analyse kam nicht aus den Gewinntrades, sondern aus der Aufteilung der Entry-Typen. Das System kennt zwei Modi:

✓ Modus A: Pullback / Limit-Entry
60% Hit-Rate · PF ~5,0

Limit-Order exakt auf vVAH. Entry nur wenn der Markt nach dem Confirm auf das Level zurückkehrt.

  • 5 von 16 Trades (31%) wurden so ausgeführt
  • 3 Gewinne, 2 Stops
  • Kumulierter PnL: +$245,65
  • Typischer MAE: 0,75–4,5 Punkte
✗ Modus B: Market-Entry @ 15:35
20% Hit-Rate · PF 1,29

Market-Order beim Open der 15:35-Kerze, unabhängig davon, wie weit der Markt von vVAH entfernt ist.

  • 10 von 16 Trades (63%) wurden so ausgeführt
  • 2 Gewinne, 8 Stops
  • Kumulierter PnL: +$57,50
  • 8 von 10 Stops in unter 10 Minuten

Der Profit Factor von 1,29 im Market-Entry-Modus ist gefährlich nahe an 1,0. Das System überlebt dort nur dank zweier Ausnahmetrades. Das strukturelle Problem: Der Market-Entry setzt direkt in die volatilste Phase des Handelstages — die ersten Minuten nach dem RTH-Open. 80% aller Stops entstanden durch kurze Wicks unmittelbar nach dem Entry, bevor der Markt den Trend fortsetzte.

KW12–KW14 (März) · Pullback-Phase
Konsequente Limit-Entries auf vVAH. Drei Gewinntrades (17.03, 25.03, 31.03), ein Stop (06.04). Hit-Rate 75%. Das System läuft wie geplant.
KW14–KW15 (früh April) · Stop-Serie
6 Stop-Outs in Folge (06.04–13.04). Markt in Snap-Back-Rally nach technischer Korrektur — hohe Eröffnungsvolatilität, Opening-Wicks treffen Stops sofort. Market-Entries statt Pullbacks.
KW15–KW17 (April) · Gemischte Phase
14.04 Z2 +$225 (Market-Entry, aber großer Gap). 15.04–17.04: drei weitere Stop-Outs. Pullback-Logik wurde trotz vorhandener Möglichkeit (15.04, 16.04) nicht angewendet.
Die entscheidende Frage

Am 15.04 öffnete der Markt nur 6 Punkte über vVAH — ein Pullback auf vVAH wäre in den ersten 15 Minuten realistisch gewesen (und laut Simulation tatsächlich eingetreten: Fill @ 15:45, MAE nur 4,5 Punkte, danach Z1 und Z2 getroffen). Stattdessen: Market-Entry @ 15:35 → Stop nach 10 Minuten. Das ist nicht ein schlechtes System — das ist ein inkonsequent angewendetes gutes System.

Stop-Logik für Modus A: Fix oder volababsiert?

Beim Pullback-Entry stellt sich die Stop-Frage anders als beim Market-Entry. Wenn der Markt wirklich an vVAH dreht, ist der MAE (Maximum Adverse Excursion) typischerweise klein — in den analysierten Trades zwischen 0,75 und 4,5 Punkten. Ein zu enger Stop führt dann trotzdem zu unnötigen Stops, ein zu weiter Stop zerstört die R/R-Struktur.

Option 2: ATR-Stop
Stop = 1,5 × ATR(14, 5min) der ETH-Session

Passt sich dem Volatilitätsregime an. In normalen Phasen ~5–6 Punkte. In volatilen Phasen bis 14,5 Punkte — was das R/R auf 1:1,5 drückt.

✓ Adaptiv · berücksichtigt Marktregime

✗ Bei hoher Vola: R/R-Struktur leidet

Option 3: IB-Anteil
Stop = 33% der IB-Breite

Kein externer Indikator — die Initial Balance wird im System ohnehin berechnet. Ergibt in normalen Phasen ~9 Punkte, bei breiter IB bis 13 Punkte.

✓ Systemimmanent · einfach zu berechnen

✗ Bei enger IB (≤15 Pkt): kaum Vorteil

Das Wichtigste: Der bisherige 5-Punkte-Fix-Stop war beim echten Pullback-Entry nicht das Problem. Er überlebte in den drei Gewinn-Pullback-Trades problemlos (MAE: 0,75 / <2 / 4,5 Punkte). Das Problem war, dass ab April fast ausschließlich Market-Entries gesetzt wurden — für die 5 Punkte definitiv zu eng sind.

Der Marktkontext: Was wirklich hinter den Stops steckt

Die sechs Stop-Outs in Folge von 06.04 bis 13.04 waren kein Systemversagen — sie fielen in ein spezifisches Marktregime. Der S&P 500 befand sich in einer Snap-Back-Rally nach einer technischen Korrektur: Ende März hatte ein Death Cross (50-MA unter 200-MA) stattgefunden, und Anfang April erlebte der Markt seinen besten Woche seit November. Institutionelle Käufer trieben den Markt aggressiv nach oben, was typischerweise tiefe Opening-Wicks erzeugt — der Markt "räumt" die Stops, bevor er steigt.

Das ist kein seltenes Phänomen. Es tritt regelmäßig auf nach Korrekturen, in politisch unsicheren Phasen und bei erhöhter Sektorrotation. Die Konsequenz für das System: Ein Volatilitätsfilter (z.B. IB-Breite > 45 Punkte = kein Market-Entry) hätte mindestens 3–4 dieser Stops verhindert.

Wichtige Erkenntnis

Das Marktregime beeinflusst nicht die Signal-Qualität (ETH-Close über vVAH war korrekt), sondern die Intraday-Eröffnungsvolatilität. Genau dort greift der Pullback-Ansatz: Wer auf den Rücktest wartet, lässt den Wick passieren und entered danach — mit dem Vorteil, nicht gestoppt worden zu sein.

Fazit und Verbesserungsoptionen

Das MES Value Area Play ist ein strukturell robustes System. Ein Profit Factor von 2,94 und ein Return on Risk von 108,6% bei nur 40% Hit-Rate beweisen die konzeptionelle Stärke. Die Kernlogik — ETH Value Area als Richtungsfilter, M5-Confirm als Gate-Keeper, asymmetrische Z1/Z2-Ziele — ist valide.

Die Analyse offenbart aber einen klaren blinden Fleck: Das System hat zwei Modi, und nur einer davon funktioniert wirklich:

Die vier Prioritäten für die nächste Systemphase

  • Pullback-First-Regel: Kein Market-Entry, solange ein Pullback auf vVAH realistisch ist. Die Entscheidung "Pullback möglich ja/nein?" muss explizit getroffen werden, bevor ein Market-Entry gesetzt wird.
  • Struktur-Stop statt Fixstopp: Stop unter dem Low der M5-Confirm-Kerze, maximal 10 Punkte. Begründet durch Marktstruktur, nicht durch einen willkürlichen Abstand.
  • Volatilitätsfilter: Bei IB-Breite über 45 Punkten oder ATR-Spike → kein Market-Entry. Dieses Marktregime produziert systematisch Opening-Wick-Stops.
  • Gap-Definition schärfen: Nicht nur "Open > vVAH + 60 Pkt" als K.O.-Kriterium, sondern auch: "Wenn Open > vVAH + 30 Pkt und kein Pullback auf vVAH in erster RTH-Stunde → kein Trade."

Die entscheidende Erkenntnis lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Das System ist nicht zu korrigieren — es ist konsequenter anzuwenden. Der Pullback-Entry war von Anfang an Teil der Systemlogik. Er wurde in KW12–14 konsequent genutzt und lieferte eine Hit-Rate von 60% bei einem Profit Factor von ~5,0. Ab KW14 wurde er schrittweise durch Market-Entries ersetzt — mit den bekannten Folgen.

Das Backtesting des Limit-Entry-Ansatzes über alle 16 Trades ist der nächste logische Schritt: Wie viele der acht Early-Stops wären bei einem Limit 3 Punkte unter Confirm-Close zu einem Fill geworden — und bei welchen wäre kein Fill entstanden (was im Pullback-Modus automatisch "kein Trade" bedeutet)?

Soweit ein kleines Update zum Projekt MES mit KI Unterstützung. Fortsetzung folgt.

Fazit:

Der simple Handelsansatz nach der Systematik von Market- und Volumeprofile war bisher auch ohne die Berücksichtigung spezifischer Informationen aus dem Orderflow profitabel. Natürlich kann man an verschiedenen Baustellen noch schrauben und die bisherige Historie ist nicht aussagekräftig genug. Die bisherigen Wochen zeigen jedoch, wie man von der Idee über die Umsetzung mit Hilfe von KI sehr schnell Ergebnisse erzielen und die Spreu vom Weizen trennen kann. Darauf aufbauend lassen sich natürlich auch Algos entwickeln, die zur Handelsunterstützung für die Einstiege dienen oder als reiner Bot fungieren. Ich werde den Kollegen mal mit ein paar Daten füttern und schauen, wie seine Simulation in der Vergangenheit ausgesehen hätte.

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