Wesentliche Begriffe
Das Market Profile bildet Marktaktivität über Zeit und Preis ab. Kern: Märkte sind Auktionsprozesse, die so lange in eine Richtung laufen, bis sie Gegeninteresse finden. TPOs sind die Bausteine dieses Prozesses.
Sechs Tagestypen
Die Tagestypen spiegeln unterschiedliche Grade der Richtungsüberzeugung wider — von fehlender Überzeugung (Nontrend) bis maximaler (Trend Day). Klicke auf ein Profil für Details.
Profilformen: P · b · B · D
Die Gesamtform des Tagesprofils liefert Hinweise auf die zugrunde liegenden Marktkräfte. Vier Formen sind handelspraktisch besonders relevant.
Die vier Eröffnungstypen
Die erste Handelsviertelstunde ermöglicht es, sehr früh zu beurteilen, welcher Tagestyp sich entwickelt und welches Extrem mit höherer Wahrscheinlichkeit hält.
Einsatz im Handel
Und: Macht er dabei einen guten Job?"
- Gestrige Value Area (VAH / VAL / POC) identifizieren
- Opening Call: innerhalb oder außerhalb der gestrigen Range?
- Eröffnungstyp in den ersten Minuten bestimmen
- Initiative oder Responsive Eröffnung erkennen
- Übergeordnete Struktur: Trend oder Bracket?
- Initial Balance abwarten — erst dann wird das erste Bild sichtbar
- Range Extension: Wer treibt — OTF-Käufer oder -Verkäufer?
- TPO Count: Welche Seite häuft sich unter/über dem POC an?
- Tails als S/R respektieren — aggressive OTF-Ablehnung
- Single Prints im DD-Tag: Werden sie aufgefüllt? → Warnsignal
- Closing Range: letzter Stimmungsabdruck für Folgetag
- Nontrend Days: kein direktionales Edge vorhanden
- Nonconviction Days: breite VA ohne klare OTF-Kontrolle
- News-getriebene Tage: Profil verliert Informationswert
- Übergeordneter Nontrend-Markt: Breakouts fallen zurück
- Wenn die zwei zentralen Fragen nicht klar beantwortet werden können
Referenzpunkte für Entry & Stop
Alle Market-Profile-Referenzpunkte ergeben sich direkt aus der Marktstruktur — nicht aus willkürlichen technischen Indikatoren.
| Referenzpunkt | Verwendung im Handel | Typ |
|---|---|---|
| VAH / VAL | Responsive Trade: Kauf bei VAL; Verkauf bei VAH — sofern kein Ausbruch erwartet wird. Klassische zwei-seitige Handelszonen. | Intraday S/R |
| Point of Control | Magnetisches Ziel bei Trendpausen. Markt kehrt häufig zum POC zurück wenn Überzeugung nachlässt. Stops knapp dahinter riskant. | Fairness-Anker |
| Tails | Starke S/R-Referenzpunkte. Hält der Tail unter Druck → Trade in Tail-Richtung. Durchbruch → potenzieller Trendwechsel. | OTF-Ablehnung |
| Single Prints | Schlüsselzone in DD-Trend-Tagen. Rückkehr in die Zone gegen Handelsende = potenzielle Umkehr der zweiten Verteilung. | Strukturelle Zone |
| Gestrige Range-Extreme | Ausbruch + Akzeptanz → Folgepotenzial. Rückkehr in gestrige Range → Falle für Breakout-Trader. | Tagesreferenz |
| Excess-Punkte | Starke mittelfristige S/R. Tails, Single Prints, Island Days, Gaps = verschiedene Excess-Formen. Rückkehr zu Excess = Setup-Gelegenheit. | Mittelfristige S/R |
| Bracket-Extreme | Responsive Trade an den Rändern des Brackets. Ausbruch mit Akzeptanz und fehlendem Rücklauf → Trendsignal. | Langfristige S/R |
| Weak High / Weak Low | Extrempunkte ohne echte OTF-Ablehnung. Werden häufig am Folgetag getestet und durchbrochen — kein verlässlicher Stop-Bereich. | Vorsicht: labiler Punkt |
Gaps · Spikes · Breakouts
Diese drei Sondersituationen entstehen, wenn der Markt schlagartig aus dem Gleichgewicht gerät. Sie liefern klare strukturelle Hinweise — und gehören zu den profitabelsten, aber auch riskantesten Handelssituationen.
- Gap hält (kein Fill in der ersten Stunde) → Mit der Gap-Richtung handeln, Stop am Gap-Erasure-Punkt
- Gap wird schnell gefüllt (< 1h) → Responsive-Aktivität dominiert; außerhalb des Gap-Levels short/long
- Extremes Gap (weit außerhalb Range) → Vorsicht: erhöhte Wahrscheinlichkeit für responsive Reaktion; erst abwarten
- Gap + Open-Drive → Stärkste Initiative-Kombination; früh einsteigen
- Gap + DD-Auction → Potenzial für Double-Distribution-Trend-Tag
- Open INNERHALB des Spikes → Balance wahrscheinlich; zwei-seitiger Handel innerhalb des Spike-Range. Range-Schätzung = Spike-Länge (nicht Tagesrange!)
- Open JENSEITS des Spikes (in Spike-Richtung) → Akzeptanz; Trend setzt sich fort. Support = Spike-Top (Buying Spike) / Resistance = Spike-Bottom (Selling Spike)
- Open GEGEN den Spike → Ablehnung; Spike wird retraced. Mögliche Umkehr-Chance
- Mehrfache Tests des Spike-Extrems → Zuverlässigkeit sinkt; bei Double-TPO-Prints verliert Spike-Extrem seine S/R-Funktion
- Gap-Öffnung außerhalb Balance → Stärkstes Signal; sofort mit der Richtung handeln, Stop bei Gap-Erasure
- Auction Failure → Outside Day → Subtilerer Ausbruch: Markt testet eine Seite, scheitert, bricht dann in die andere Richtung aus. Excess + bekannte Referenz entstehen
- Akzeptanz = Schlüssel → Double TPOs außerhalb der Balance = Ausbruch hält. Rückkehr = responsive Partei dominiert → Stop und auf Reverse warten
- Balance-in-Balance → Kurzfristige Brackets innerhalb größerer Brackets. Richtung des Micro-Ausbruchs zeigt oft die Richtung des Macro-Ausbruchs an
- Enge IB am Balance-Rand → Indikator für potenziellen DD-Trend-Tag; früh alert sein
Beispiel-Setups
Konkrete Handelssituationen, wie sie täglich entstehen. Jedes Setup basiert auf dem Zusammenspiel mehrerer Market-Profile-Konzepte — kein Einzelindikator, sondern strukturelle Konvergenz.
- Gestrige VA identifizieren (VAH, VAL, POC)
- Markt öffnet within range → Open-Auction oder Open-Rejection-Reverse erwartet
- Preis fällt unter VAL → Beobachtung: bilden sich Single Prints oder Double TPOs?
- Single Print / Buying Tail entsteht → Buying Entry knapp über Tail-Basis
- Stop: unterhalb des Tail-Extrems (Tail-Bruch = Schwäche-Signal)
- Target: POC, dann VAH
- 5–7 Tage overlapping value identifizieren (untere Bracket-Grenze bekannt)
- Narrow Initial Balance oder Gap-Öffnung unter Bracket-Low am Morgen
- C–E Periode: Range Extension unter Bracket-Low mit fehlender Responsive-Reaktion
- Short Entry mit Range Extension (erste RE-Kerze als Entry)
- Stop: wenige Ticks über Bracket-Low (Rückkehr = Rejection des Ausbruchs)
- Target: nächste bekannte S/R-Zone (vorheriger POC / altes VA-Low)
- Gap-Öffnung: Markt öffnet deutlich über gestriger Range
- Erste 30–60 Minuten: Gap hält — kein Rücklauf in die gestige Range
- Open-Drive oder Open-Test-Drive Muster bestätigt Richtung
- Long Entry in Z/A-Periode-Pullback zum Gap-Top (= neues Support)
- Stop: Unter Gap-Oberkante (Gap-Erasure = klare Ablehnung)
- Range-Schätzung: gestriger Range + Gap-Größe = Tagesziel
- Gestrige(s) oder frühere(r) Session: klare Abwärtsbewegung
- Aktuelle Session: Open nahe Tagestief, schnelle Rally in A–D Periode
- P-Formation erkennbar: Oberhälfte breit, Unterhälfte leer
- Rally verlangsamt sich: jede neue Periode erreicht ein tieferes Hoch
- Short Entry: wenn Rally-Momentum bricht und erste Abwärts-RE entsteht
- Stop: über Rally-Hoch. Target: Tagesopen oder gestrige Lows
- Open-Rejection-Reverse oder Open-Auction in Range → keine Trend-Erwartung
- RE auf beiden Seiten der IB → Neutral-Day-Szenario wahrscheinlich
- VAH identifiziert: Sell bei VAH-Touch, solange kein Ausbruch + Akzeptanz
- VAL identifiziert: Buy bei VAL-Touch, solange kein Ausbruch + Akzeptanz
- Stops: Ausbruch + 2 Double TPOs außerhalb der VA = Setups invalide
- Ziel: POC (Mitte der Value Area)
- Gestrige Session: Buying-Spike in letzten N–M Perioden identifizieren
- Spike-Range: von Breakout-Periode-Top bis Tageshoch messen
- Folgetag öffnet INNERHALB des Spikes → Balance-Trade innerhalb Spike-Range
- Folgetag öffnet ÜBER dem Spike → Trend-Fortsetzung; Long bei Pullback zum Spike-Top
- Stop: Unter Spike-Basis (Spike-Erasure = Rejection)
- Range-Ziel-Schätzung = Spike-Länge (nicht gesamte gestrige Range!)
RTH vs. ETH — 23-Stunden-Markt
Steidlmayers ursprüngliches Market Profile war für die klassischen Pit-Sessions konzipiert (z.B. CME: 8:30–15:15 CT). Inzwischen handeln die meisten Futures-Märkte fast rund um die Uhr. Das verändert die Interpretation — aber nicht die Grundprinzipien.
- Höchstes Volumen und Liquidität — OTF-Entscheidungen konzentriert
- Institutionelle Teilnehmer (Fonds, Market Maker) hauptsächlich aktiv
- Value Area, POC und TPO-Count aus RTH-Daten am aussagekräftigsten
- Initial Balance aus RTH-Eröffnung — definiert den Tagesrahmen
- Tails und Excess aus RTH haben höhere Validität als ETH-Pendants
- Schlusskurs der RTH = aussagekräftigster Stimmungsabdruck für Folgetag
- Eröffnungstyp (Drive, Test-Drive, etc.) nur sinnvoll für RTH-Eröffnung
- Geringeres Volumen — weniger repräsentativ für „echten" Marktkonsens
- Oft dominiert von Einzelereignissen: News, Daten, geopolitische Ereignisse
- ETH-Range gibt Hinweis auf Sentiment-Veränderung seit RTH-Schluss
- ETH-High und ETH-Low als Referenzpunkte für RTH-Eröffnung beobachten
- Gap-Entstehung: Öffnet RTH außerhalb der ETH-Range → potenziell starkes Signal
- Single Prints in ETH können RTH-Bewegungen vorwegnehmen
- Akzeptanz von ETH-Preisen während RTH = bestätigt neue Value-Wahrnehmung
| Aspekt | RTH-Gewichtung | ETH-Rolle |
|---|---|---|
| Value Area / POC | Primärquelle — aus RTH berechnen | ETH-VA als Kontext-Overlay |
| Tails / Excess | Hauptreferenz für S/R | Nur relevant wenn sehr ausgeprägt |
| Gap-Analyse | Gap gegen RTH-Vortagsrange entscheidend | ETH-Range als Vermittler |
| Initial Balance | RTH-Eröffnung (erste 60 Min.) | ETH-IB liefert Overnight-Kontext |
| Opening Type | Nur für RTH-Open auswerten | ETH-Verlauf erklärt Gap-Entstehung |
| Spike-Analyse | RTH-Schluss-Spike = vollwertig | ETH-Spikes = schwächeres Signal |
| Tagestyp-Diagnose | Ausschließlich RTH-basiert | ETH gibt frühen Bias-Hinweis |