Market Profile · Referenz-Handout nach James F. Dalton, Eric I. Jones & Robert B. Dalton
Market Profile · Handout

Der Klassiker zu Market Profile

Begriffe, Tagestypen, Profilformen und Handelseinsatz — nach James F. Dalton, Eric I. Jones & Robert B. Dalton. Interaktives Referenz-Handout.

14
Kernbegriffe
6
Tagestypen
4
Profilformen
4
Eröffnungstypen
01 — Grundkonzepte

Wesentliche Begriffe

Das Market Profile bildet Marktaktivität über Zeit und Preis ab. Kern: Märkte sind Auktionsprozesse, die so lange in eine Richtung laufen, bis sie Gegeninteresse finden. TPOs sind die Bausteine dieses Prozesses.

TPO
Time Price Opportunity — kleinste Messeinheit. Jede Handelshalbstunde erhält einen Buchstaben (A, B, C …). Ein TPO entsteht, wenn ein Preis in dieser Periode gehandelt wird.
Initial Balance
Preisrange der ersten Handelsstunde (A+B-Periode). Zeigt, wo Locals zwei-seitigen Handel etablieren. Breite IB = früher Other-Timeframe-Eintritt.
Value Area (VA)
≈ 70 % des Tageshandels (ca. 1 Standardabweichung). Preise innerhalb gelten als „fair". VAH = Value Area High, VAL = Value Area Low.
Point of Control
Die längste TPO-Zeile am nächsten zur Mitte der Range — der „fairste" Preis des Tages. Wichtige Referenz für Folgetage.
Range Extension
Preisbewegung außerhalb der Initial Balance. Signalisiert OTF-Eintritt. RE aufwärts = OTF-Käufer; RE abwärts = OTF-Verkäufer.
Single Prints
Einzelne TPOs, die nur in einer Periode auftauchen. Bei DD-Trend-Tagen trennen sie die zwei Verteilungen — starke S/R-Zone.
Tails
TPOs am Extrempunkt des Profils (mind. 2 TPOs lang). Buying Tail = OTF-Käufer reagieren aggressiv auf zu niedrige Preise. Je länger, desto stärker die Überzeugung.
Weak High / Low
Extrempunkt ohne echte OTF-Ablehnung — durch Short-Covering oder Long-Liquidation entstanden. Werden häufig am Folgetag getestet und durchbrochen.
Excess
Entsteht, wenn der Markt zu weit läuft und scharf abgewiesen wird. Tails, Single Prints und Gaps sind Excess-Formen. Dient als zukünftiger S/R.
TPO Count
Zählt TPOs ober- und unterhalb des POC. Übergewicht auf einer Seite zeigt OTF-Kontrolle an. Hilft, Stärke innerhalb der entwickelnden VA zu beurteilen.
One-Timeframe
Jede Periode schließt höher (oder gleich) als die vorherige, ohne unter das vorige Tief zu fallen. Klare Richtungskontrolle — typisch für Trend Days.
Initiative vs. Responsiv
Initiativ = Aktivität innerhalb/jenseits der gestrigen VA in Handelsrichtung. Responsiv = Reaktion auf „zu günstige" Preise außerhalb der VA.
Bracket
Seitwärtsmarkt zwischen zwei bekannten Extremen. Ausbruch + Akzeptanz (kein Rücklauf) = Beginn eines neuen Trends.
Other Timeframe
Marktteilnehmer, die über mehr als einen Tag handeln. OTF bewegt und formt den Markt — Locals liefern nur Liquidität.
02 — Überzeugungsspektrum

Sechs Tagestypen

Die Tagestypen spiegeln unterschiedliche Grade der Richtungsüberzeugung wider — von fehlender Überzeugung (Nontrend) bis maximaler (Trend Day). Klicke auf ein Profil für Details.

Keine Überzeugung Maximale Überzeugung Nontrend❶ Kein OTF breite IB Normal Day❷ Breite IB RE ↓ Normal Var.❸ RE eine Seite ↑ RE↓ RE Neutral Day❹ RE beide Seiten single prints DD-Trend❺ Zwei Verteilungen Open = Extrem Trend Day❻ Max. Überzeugung Klick auf Profil → Details
Klicke auf einen Tagestyp, um Details und Handelsempfehlung zu sehen.
03 — Langform-Interpretation

Profilformen: P · b · B · D

Die Gesamtform des Tagesprofils liefert Hinweise auf die zugrunde liegenden Marktkräfte. Vier Formen sind handelspraktisch besonders relevant.

P
Short Covering Profil
Auslöser: Short Covering
Breite, aktive Oberhälfte — schmale, leere Unterhälfte. Nach starker Abwärtsbewegung decken Shorts ihre Positionen ein: swift rally, dann abrupter Stillstand. Open nahe Tagestief.
Nicht als echte Stärke fehldeuten
b
Long Liquidation Profil
Auslöser: Long Liquidation
Breite aktive Unterhälfte — schmale, leere Oberhälfte. Inverse des P-Profils. Locals/OTF liquidieren Longs: schneller Break, dann keine Seller-Fortsetzung. Open nahe Tageshoch.
Nicht als echte Schwäche fehldeuten
B
Double-Distribution
Auslöser: DD-Trend Day
Zwei klar getrennte Verteilungen mit Single-Print-Zone als Verbindung. OTF treibt Preis aggressiv von einem Gleichgewicht ins nächste. Hält die Zone bis Handelsende?
Single Prints = kritische S/R-Zone
D
Balanced / Normal Day
Auslöser: Normal oder Neutral Day
Klassische symmetrische Normalverteilungs-Glocke. Breite Mitte, enge Extreme. Früher OTF-Eintritt auf beiden Seiten, danach zwei-seitiger lokaler Handel. Klarste Profilform.
Value-Area-Extrema als Entry-Zonen
⚠ Wichtiger Kontext
Eine P- oder b-Form allein impliziert nicht automatisch Short-Covering oder Long-Liquidation. Kontext: (1) Vorherige Marktrichtung, (2) Wo öffnete der Markt — nahe Tief (P) oder Hoch (b)?, (3) Fehlende Fortsetzung nach initialem Schub, (4) Graduell nachlassende Auktionen nach dem ersten Move.
04 — Erste Minuten entscheiden

Die vier Eröffnungstypen

Die erste Handelsviertelstunde ermöglicht es, sehr früh zu beurteilen, welcher Tagestyp sich entwickelt und welches Extrem mit höherer Wahrscheinlichkeit hält.

Open-Drive
★★★★★
Markt öffnet und treibt sofort aggressiv in eine Richtung. Kein Rücklauf durch die Opening Range. OTF hat die Entscheidung vor Börsenbeginn getroffen. Eröffnungsextrem hält mit >90 % Wahrscheinlichkeit.
→ Früh einsteigen, mit der Richtung mitgehen
Open-Test-Drive
★★★★☆
Markt öffnet, testet kurz eine bekannte Referenz (gestriges Hoch/Tief), scheitert dort und treibt in die Gegenrichtung. Zweitzuverlässigster Typ.
→ Nach Scheitern des Tests mit neuer Richtung handeln
Open-Rejection-Reverse
★★☆☆☆
Markt öffnet, läuft in eine Richtung, wird abgewiesen und kehrt durch die Opening Range zurück. Niedrigere Überzeugung; Extrempunkt hält unter 50 %.
→ Geduld: auf Value-Area-Etablierung warten
Open-Auction
★☆☆☆☆
Auktioniert beiderseits um den Open. Innerhalb gestriger Range → Nontrend wahrscheinlich. Außerhalb → explosive DD-Trend-Bewegung möglich!
→ In Range: Seitenlinie. Out-of-Range: DD-Alarm!
05 — Anwendung im Markt

Einsatz im Handel

„In welche Richtung versucht der Markt zu gehen?
Und: Macht er dabei einen guten Job?"
— Die zwei zentralen Fragen nach J.P. Steidlmayer
Vor Handelsbeginn
  • Gestrige Value Area (VAH / VAL / POC) identifizieren
  • Opening Call: innerhalb oder außerhalb der gestrigen Range?
  • Eröffnungstyp in den ersten Minuten bestimmen
  • Initiative oder Responsive Eröffnung erkennen
  • Übergeordnete Struktur: Trend oder Bracket?
Intraday-Checkliste
  • Initial Balance abwarten — erst dann wird das erste Bild sichtbar
  • Range Extension: Wer treibt — OTF-Käufer oder -Verkäufer?
  • TPO Count: Welche Seite häuft sich unter/über dem POC an?
  • Tails als S/R respektieren — aggressive OTF-Ablehnung
  • Single Prints im DD-Tag: Werden sie aufgefüllt? → Warnsignal
  • Closing Range: letzter Stimmungsabdruck für Folgetag
Wann NICHT handeln
  • Nontrend Days: kein direktionales Edge vorhanden
  • Nonconviction Days: breite VA ohne klare OTF-Kontrolle
  • News-getriebene Tage: Profil verliert Informationswert
  • Übergeordneter Nontrend-Markt: Breakouts fallen zurück
  • Wenn die zwei zentralen Fragen nicht klar beantwortet werden können
06 — Entry & Stop

Referenzpunkte für Entry & Stop

Alle Market-Profile-Referenzpunkte ergeben sich direkt aus der Marktstruktur — nicht aus willkürlichen technischen Indikatoren.

ReferenzpunktVerwendung im HandelTyp
VAH / VALResponsive Trade: Kauf bei VAL; Verkauf bei VAH — sofern kein Ausbruch erwartet wird. Klassische zwei-seitige Handelszonen.Intraday S/R
Point of ControlMagnetisches Ziel bei Trendpausen. Markt kehrt häufig zum POC zurück wenn Überzeugung nachlässt. Stops knapp dahinter riskant.Fairness-Anker
TailsStarke S/R-Referenzpunkte. Hält der Tail unter Druck → Trade in Tail-Richtung. Durchbruch → potenzieller Trendwechsel.OTF-Ablehnung
Single PrintsSchlüsselzone in DD-Trend-Tagen. Rückkehr in die Zone gegen Handelsende = potenzielle Umkehr der zweiten Verteilung.Strukturelle Zone
Gestrige Range-ExtremeAusbruch + Akzeptanz → Folgepotenzial. Rückkehr in gestrige Range → Falle für Breakout-Trader.Tagesreferenz
Excess-PunkteStarke mittelfristige S/R. Tails, Single Prints, Island Days, Gaps = verschiedene Excess-Formen. Rückkehr zu Excess = Setup-Gelegenheit.Mittelfristige S/R
Bracket-ExtremeResponsive Trade an den Rändern des Brackets. Ausbruch mit Akzeptanz und fehlendem Rücklauf → Trendsignal.Langfristige S/R
Weak High / Weak LowExtrempunkte ohne echte OTF-Ablehnung. Werden häufig am Folgetag getestet und durchbrochen — kein verlässlicher Stop-Bereich.Vorsicht: labiler Punkt
07 — Special Situations

Gaps · Spikes · Breakouts

Diese drei Sondersituationen entstehen, wenn der Markt schlagartig aus dem Gleichgewicht gerät. Sie liefern klare strukturelle Hinweise — und gehören zu den profitabelsten, aber auch riskantesten Handelssituationen.

Gaps
Öffnung außerhalb der gestrigen Range = Markt im Ungleichgewicht
Ein Gap entsteht, wenn OTF-Teilnehmer zwischen Marktschluss und Folgeöffnung ihre Wertwahrnehmung fundamental ändern. Das Gap ist ein unsichtbarer Tail — oft eine stärkere Excess-Form als ein sichtbarer Tail, weil die Ablehnung über Nacht stattfand.
  • Gap hält (kein Fill in der ersten Stunde) → Mit der Gap-Richtung handeln, Stop am Gap-Erasure-Punkt
  • Gap wird schnell gefüllt (< 1h) → Responsive-Aktivität dominiert; außerhalb des Gap-Levels short/long
  • Extremes Gap (weit außerhalb Range) → Vorsicht: erhöhte Wahrscheinlichkeit für responsive Reaktion; erst abwarten
  • Gap + Open-Drive → Stärkste Initiative-Kombination; früh einsteigen
  • Gap + DD-Auction → Potenzial für Double-Distribution-Trend-Tag
Drei Gap-Typen
Break-away
Frühe Trendphase — starke neue OTF-Überzeugung. Hält meist.
Acceleration
Mitte eines Trends — bestätigt Richtung und Stärke.
Exhaustion
Trendende — letzter Konsens; danach Umkehr möglich.
Spikes
Schnelle Preisbewegung in den letzten Perioden der Session
Ein Spike entsteht, wenn sich Preis in den letzten Handelsperioden schnell vom Value entfernt. Da das Element „Zeit" fehlt, kann keine Akzeptanz entstehen — der Spike ist ein offenes Experiment, dessen Ergebnis die Folgesession offenbart.
  • Open INNERHALB des Spikes → Balance wahrscheinlich; zwei-seitiger Handel innerhalb des Spike-Range. Range-Schätzung = Spike-Länge (nicht Tagesrange!)
  • Open JENSEITS des Spikes (in Spike-Richtung) → Akzeptanz; Trend setzt sich fort. Support = Spike-Top (Buying Spike) / Resistance = Spike-Bottom (Selling Spike)
  • Open GEGEN den Spike → Ablehnung; Spike wird retraced. Mögliche Umkehr-Chance
  • Mehrfache Tests des Spike-Extrems → Zuverlässigkeit sinkt; bei Double-TPO-Prints verliert Spike-Extrem seine S/R-Funktion
Spike-Regel
Das Spike-Extrem ist nur für den ersten Preis-Probe gültig. Bei wiederholtem Testen im gleichen Half-Hour verliert es seine S/R-Funktion.
Balance Area Breakouts
Ausbruch aus Gleichgewichtszone — oft Beginn großer Moves
Nach mehreren Tagen überlappender Value Areas (Bracket) führt ein Ausbruch typischerweise zu einer kraftvollen Bewegung. Das Risiko ist minimal, das Potenzial hoch — ein Trade, den man „fast machen muss".
  • Gap-Öffnung außerhalb Balance → Stärkstes Signal; sofort mit der Richtung handeln, Stop bei Gap-Erasure
  • Auction Failure → Outside Day → Subtilerer Ausbruch: Markt testet eine Seite, scheitert, bricht dann in die andere Richtung aus. Excess + bekannte Referenz entstehen
  • Akzeptanz = Schlüssel → Double TPOs außerhalb der Balance = Ausbruch hält. Rückkehr = responsive Partei dominiert → Stop und auf Reverse warten
  • Balance-in-Balance → Kurzfristige Brackets innerhalb größerer Brackets. Richtung des Micro-Ausbruchs zeigt oft die Richtung des Macro-Ausbruchs an
  • Enge IB am Balance-Rand → Indikator für potenziellen DD-Trend-Tag; früh alert sein
Gemeinsame Logik aller drei Sondersituationen

Alle drei entstehen, wenn Preis schnell vom Value wegläuft — sei es über Nacht (Gap), in den letzten Minuten (Spike) oder nach tagelangem Balance (Breakout). Das zentrale Prinzip ist immer dasselbe: Wird die neue Preiszone durch Zeit und Handelsvolumen akzeptiert (Double TPOs entstehen), setzt sich die Bewegung fort. Fehlt die Akzeptanz, folgt die Rückkehr zum Value. Der Auftrag ist stets, die Akzeptanz oder Ablehnung frühzeitig zu identifizieren — bevor der Markt die Antwort offensichtlich macht.

08 — Anwendung in der Praxis

Beispiel-Setups

Konkrete Handelssituationen, wie sie täglich entstehen. Jedes Setup basiert auf dem Zusammenspiel mehrerer Market-Profile-Konzepte — kein Einzelindikator, sondern strukturelle Konvergenz.

Long-Setup
Responsive Buy am VAL
Klassisches two-sided Trading: Markt fällt unter den gestrigen VAL, findet aber keinen Seller-Follow-through. Buying Tail entsteht.
  1. Gestrige VA identifizieren (VAH, VAL, POC)
  2. Markt öffnet within range → Open-Auction oder Open-Rejection-Reverse erwartet
  3. Preis fällt unter VAL → Beobachtung: bilden sich Single Prints oder Double TPOs?
  4. Single Print / Buying Tail entsteht → Buying Entry knapp über Tail-Basis
  5. Stop: unterhalb des Tail-Extrems (Tail-Bruch = Schwäche-Signal)
  6. Target: POC, dann VAH
Nicht handeln wenn: Markt ist im klaren Downtrend / gestern war ein Selling Trend Day / Open ist ein Open-Drive abwärts
Short-Setup
Initiative Sell — Bracket-Breakout
Nach 4–6 Tagen überlappender Value Areas: Gap oder Auction-Failure signalisiert Ausbruch nach unten.
  1. 5–7 Tage overlapping value identifizieren (untere Bracket-Grenze bekannt)
  2. Narrow Initial Balance oder Gap-Öffnung unter Bracket-Low am Morgen
  3. C–E Periode: Range Extension unter Bracket-Low mit fehlender Responsive-Reaktion
  4. Short Entry mit Range Extension (erste RE-Kerze als Entry)
  5. Stop: wenige Ticks über Bracket-Low (Rückkehr = Rejection des Ausbruchs)
  6. Target: nächste bekannte S/R-Zone (vorheriger POC / altes VA-Low)
Bestätigung: Double TPOs außerhalb der Balance in folgendem Half-Hour stärken die Überzeugung erheblich
Long-Setup
Gap-Hold Trade
Markt öffnet mit Gap höher. Der Gap wird in der ersten Stunde nicht gefüllt → Akzeptanz höherer Preise, Initiative-Käufer kontrollieren.
  1. Gap-Öffnung: Markt öffnet deutlich über gestriger Range
  2. Erste 30–60 Minuten: Gap hält — kein Rücklauf in die gestige Range
  3. Open-Drive oder Open-Test-Drive Muster bestätigt Richtung
  4. Long Entry in Z/A-Periode-Pullback zum Gap-Top (= neues Support)
  5. Stop: Unter Gap-Oberkante (Gap-Erasure = klare Ablehnung)
  6. Range-Schätzung: gestriger Range + Gap-Größe = Tagesziel
Sondersituation: Extremes Gap (>2× normale Range) → zuerst auf responsive Aktivität warten, dann erst einsteigen
Short-Setup
P-Formation / Short-Covering Reversal
Nach starker Abwärtsbewegung entsteht ein P-Profil durch Short-Covering. Die Rally ist nicht fundiert — Verkaufsgelegenheit.
  1. Gestrige(s) oder frühere(r) Session: klare Abwärtsbewegung
  2. Aktuelle Session: Open nahe Tagestief, schnelle Rally in A–D Periode
  3. P-Formation erkennbar: Oberhälfte breit, Unterhälfte leer
  4. Rally verlangsamt sich: jede neue Periode erreicht ein tieferes Hoch
  5. Short Entry: wenn Rally-Momentum bricht und erste Abwärts-RE entsteht
  6. Stop: über Rally-Hoch. Target: Tagesopen oder gestrige Lows
Nicht als echte Stärke fehldeuten! Kein neues OTF-Buying, nur altes Covering. Kein Profil-Abschluss in unterer Hälfte = Schwäche-Indiz
Neutral / Range-Trade
Neutral Day — Value Area Fade
Neutral-Center Day: Markt handelt both sides, zeigt kein Richtungs-Edge. Range-Handel an den Value-Extrema.
  1. Open-Rejection-Reverse oder Open-Auction in Range → keine Trend-Erwartung
  2. RE auf beiden Seiten der IB → Neutral-Day-Szenario wahrscheinlich
  3. VAH identifiziert: Sell bei VAH-Touch, solange kein Ausbruch + Akzeptanz
  4. VAL identifiziert: Buy bei VAL-Touch, solange kein Ausbruch + Akzeptanz
  5. Stops: Ausbruch + 2 Double TPOs außerhalb der VA = Setups invalide
  6. Ziel: POC (Mitte der Value Area)
Engster Stop, kleinstes Ziel — aber höchste Trefferquote. Nie übertraden. Close nahe Extrem = Neutral-Extreme → Folgetag in Close-Richtung bias
Long-Setup
Spike Acceptance Long
Gestrige Session schloss mit Buying-Spike. Folgetag öffnet innerhalb oder über dem Spike → Akzeptanz der neuen höheren Value.
  1. Gestrige Session: Buying-Spike in letzten N–M Perioden identifizieren
  2. Spike-Range: von Breakout-Periode-Top bis Tageshoch messen
  3. Folgetag öffnet INNERHALB des Spikes → Balance-Trade innerhalb Spike-Range
  4. Folgetag öffnet ÜBER dem Spike → Trend-Fortsetzung; Long bei Pullback zum Spike-Top
  5. Stop: Unter Spike-Basis (Spike-Erasure = Rejection)
  6. Range-Ziel-Schätzung = Spike-Länge (nicht gesamte gestrige Range!)
Spike-Extrema gelten nur für den ersten Probe. Mehrfache Tests im gleichen Half-Hour signalisieren nachlassende Zuverlässigkeit
09 — Modernes Trading-Umfeld

RTH vs. ETH — 23-Stunden-Markt

Steidlmayers ursprüngliches Market Profile war für die klassischen Pit-Sessions konzipiert (z.B. CME: 8:30–15:15 CT). Inzwischen handeln die meisten Futures-Märkte fast rund um die Uhr. Das verändert die Interpretation — aber nicht die Grundprinzipien.

RTH — Regular Trading Hours
Kernhandelszeit · Höchste Liquidität
  • Höchstes Volumen und Liquidität — OTF-Entscheidungen konzentriert
  • Institutionelle Teilnehmer (Fonds, Market Maker) hauptsächlich aktiv
  • Value Area, POC und TPO-Count aus RTH-Daten am aussagekräftigsten
  • Initial Balance aus RTH-Eröffnung — definiert den Tagesrahmen
  • Tails und Excess aus RTH haben höhere Validität als ETH-Pendants
  • Schlusskurs der RTH = aussagekräftigster Stimmungsabdruck für Folgetag
  • Eröffnungstyp (Drive, Test-Drive, etc.) nur sinnvoll für RTH-Eröffnung
ETH — Extended Trading Hours
Overnight / Globex · Kontextinformation
  • Geringeres Volumen — weniger repräsentativ für „echten" Marktkonsens
  • Oft dominiert von Einzelereignissen: News, Daten, geopolitische Ereignisse
  • ETH-Range gibt Hinweis auf Sentiment-Veränderung seit RTH-Schluss
  • ETH-High und ETH-Low als Referenzpunkte für RTH-Eröffnung beobachten
  • Gap-Entstehung: Öffnet RTH außerhalb der ETH-Range → potenziell starkes Signal
  • Single Prints in ETH können RTH-Bewegungen vorwegnehmen
  • Akzeptanz von ETH-Preisen während RTH = bestätigt neue Value-Wahrnehmung
Gewichtung im modernen Trading-Alltag
RTH
80 %
ETH
20 %
AspektRTH-GewichtungETH-Rolle
Value Area / POCPrimärquelle — aus RTH berechnenETH-VA als Kontext-Overlay
Tails / ExcessHauptreferenz für S/RNur relevant wenn sehr ausgeprägt
Gap-AnalyseGap gegen RTH-Vortagsrange entscheidendETH-Range als Vermittler
Initial BalanceRTH-Eröffnung (erste 60 Min.)ETH-IB liefert Overnight-Kontext
Opening TypeNur für RTH-Open auswertenETH-Verlauf erklärt Gap-Entstehung
Spike-AnalyseRTH-Schluss-Spike = vollwertigETH-Spikes = schwächeres Signal
Tagestyp-DiagnoseAusschließlich RTH-basiertETH gibt frühen Bias-Hinweis
Praktische Empfehlung für den modernen Trader
Führe zwei Profile parallel: ein RTH-Profil (primär) und ein 24h/ETH-Profil (Kontext). Das RTH-Profil liefert die handelspraktisch relevanten Referenzpunkte (VAH, VAL, POC, Tails). Das ETH-Profil erklärt, warum der Markt an der RTH-Eröffnung dort steht, wo er steht — Sentiment-Shift, Overnight-News, große Teilnehmer, die außerhalb der RTH positioniert haben. Niemals ETH-VA direkt mit RTH-VA gleichsetzen — die OTF-Aktivitätsdichte ist nicht vergleichbar. Bei Widerspruch zwischen ETH- und RTH-Signal: RTH hat Vorrang.
Checkliste: ETH-Analyse vor RTH-Eröffnung
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