IQ Capital - Proptrading

Vergangene Woche gab es diverse Promotions der Remote Propfirmen zum Labour Day. Als besonderes Angebot stach Apex Trader Funding mit einem Rabatt von 90 % heraus. Der zusätzliche Kick war eine rabattierte PA Fee für die 250k und 300k Accounts.

Damn Bad Trading

In meinem Artikel vom 17.08.2025 verwies ich auf die totale Casinomentalität, die sich in dem Propspace breitgemacht hat. Reichweitenstarte Affiliate befeuern in ihren Kanälen den Handel von Minis, vorzugsweise im NQ, gern auch mit mehreren Kontrakten und 10 oder 20 Copykonten. Das dies mit Börse nichts zu tun hat sieht jeder, der mal ins Orderbuch beim NQ schaut. Also mal 10 Kontrakte mit 10 Konten, in Summe also 100 Kontrakte sind Geschichten aus dem Märchenwald.

Einer dieser Proptrading“experten“ ist der Damn Good Trading Kanal von Kyle Kozlowski. Auf Instagram folgen ihm 12.600 Personen und sein YouTube Kanal hat 11.200 Abonnenten. Influencer wie er sind natürlich für die Szene Gold wert. Leider sind die Jungs völlig schmerzfrei, weitestgehend illoyal und es zählt nur die Kohle. Das kann man so hinnehmen, ist eben das Business. Traurig wird es nur dann, wenn dem Publikum vorgegaukelt wird, so könnten auch sie erfolgreich mit Proptrading werden. Inzwischen gibt es ja von vielen Content Creators Livestreams ihres Handels. Was da allerdings manchmal geboten wird, ist nur zum weglaufen. Kyle ist der krasseste Typ, der mir bisher untergekommen ist. Ja, er hatte im letzten Jahr wohl 200.000 $ an Payouts und dieses Jahr bisher etwas über 90.000 $. Jetzt muss man aber mal die Challenges, PA Fees und Instant Funded Accounts gegenrechnen, die er hingeblättert hat. Es sind hunderte. Die erdet er gern auch mal im 10er Pack.

One Shot zu 20 PA mit 300k

Kommen wir also mal zu der Apex Aktion. Kyle hatte sich letzte Woche vor Zahlen für seine 20 Evaluationen zu je 300k bei Apex Trader Funding positioniert. Nicht mit einem oder zwei Kontrakten, sondern mit der full Size von 35 möglichen im NQ. Also 700 Kontrakte. Ergebnis – der Herr war ihm gnädig. Der „Trade“ ging auf.

Screenshot YouTube Damn Good Trading

Kyle feierte sich für 2 Minuten Erfolg und ich hatte eigentlich die Hoffnung, dass er mit den erworbenen PA pfleglich umgeht.

Nun ja… wie man sich vielleicht denken kann, war ich da wohl im Mutter Teresa Modus und hoffte auf die gute Seite in ihm.

Boom – it’s gone

Gestern nun hatte ich mir mal seinen letzten Livestream angesehen, um nach den inzwischen gefundeten PA zu schauen. Ich muss gestehen, ich bekam fast einen Brechreiz, als ich auf die Zahlen sah. Unter dem Strich hat wohl ein PA überlebt, die anderen hat er im Auge seiner Follower über den Jordan gejagt. Schneller ging es wohl nicht.

Screenshot YouTube

Auch in dem aktuellen Trade, den man im Screenshot sieht, ging es wohl nicht unter 10 Kontrakten….

Muss man jetzt mit ihm trauern? Sicher nicht. Was der gute Mann bietet ist Zirkus, Casino, Unterhaltung, tradingtechnisch Bullshit – aber eben gut bezahlt. Daher wird sicher in Kürze auch wieder das Lächeln im Gesicht zurückkehren. Bei der nächsten Aktion, die ihm seine Schäfchen wieder über Provisionen refinanzieren.

Fazit:

Die Börse ist ein Irrenhaus, das ist wohl bekannt. Die Propszene aber ist ein Zirkus, der das noch toppt. Haltet euch also fern von diesen YouTube Spezies oder nehmt es wenigstens als abschreckendes Beispiel.

Für die Fans von South Park hier das Original der Headline zum Artikel:

Update 11.09.2025

Kyle hat nun heute zu den CPI Daten den Rest geerdet. Allein bei Apex ging es bis PA Nr. 201 und in den Evaluationen bis Nr. 1.510. Dieses war offenbar auch für ihn schmerzhaft, denn kurze später veröffentlichte er ein Statement, welches durchaus Respekt verlangt.

Kyle macht einen Cut

Ich muss gestehen, nachdem ich das Video gesehen habe, wird er mir doch glatt noch sympathisch….

Ehrliche Fehleranalyse und Zahlen, Daten Fakten. Mit diesem Statement ist er seinen Kollegen um Meilen voraus.

Hier ein paar Details aus seiner „Beichte“ mit Hilfe des Transkripts :

Identifizierte Hauptprobleme:
Kyle hat drei (bzw. vier) zentrale psychologische und strategische Schwachstellen ausgemacht, die für seine Verluste verantwortlich sind:

  1. Overtrading: Er handelt zu viel, besonders nach einem guten Tag. Ein „noch ein Trade“ führt oft zu einer Serie von Verlusten, Frustration und schließlich zum kompletten Verlust des Tagesgewinns oder mehr.
  2. Gegen-den-Trend-Handeln (Counter-Trend Trading): Anstatt klare Trends zu handeln, versucht er oft, Wendepunkte (Tops/Bottoms) zu erraten – eine Strategie mit sehr niedriger Erfolgsquote. Er kämpft damit, sich in einen laufenden Trend einzukaufen.
  3. Nicht-Akzeptanz von Verlusttagen: Er kann kleine, normale Verlusttage nicht akzeptieren und handelt stattdessen weiter, um den Tag wieder „grün“ zu machen, was die Verluste oft noch vergrößert.
  4. Übergröße (Oversizing): Er handelt manchmal mit zu großen Positionsgrößen ohne triftigen Grund, was die Verluste unnötig aufbläht.

Ursachen und Kontext:

  • Psychologie: Als intuitiver Trader („I trade off intuition“) ist seine Performance stark von seiner mentalen Verfassung abhängig. Persönliche Rückschläge und negative Ereignisse in diesem Jahr haben seine Psychologie und damit sein Trading negativ beeinflusst.
  • Falsche Prop-Firmen-Strategie: Er erkannte, dass „Instant-Funding“-Firmen extrem teuer sind und er dort unprofitabel ist. Seine profitable Basis sind Firmen wie Apex, Purda und Topstep. Der Kauf vieler billiger, kleiner Accounts (z.B. 50k) mit Mini-Kontrakten ist statistisch kaum gewinnbringend.

Ausblick und Mindset:
Trotz der schlechten Bilanz ist Kyle nicht hoffnungslos:

  • Er besitzt 20 Apex-Accounts. Eine erfolgreiche Auszahlung davon würde $70.000 bringen und ihn sofort wieder in die Gewinnzone katapultieren.
  • Sein Mantra ist ein „delusional belief“ (ein fast schon trotziger Glaube) daran, dass er es schaffen wird. Er verweist auf seine eigene Geschichte, in der er schon einmal tief unten war und es durch Beharrlichkeit geschafft hat.
  • Er betont, wie wichtig es ist, dass das Trading nicht das Privatleben und die mentale Gesundheit zerstört. Er genießt trotz allem sein Leben (Reisen, Fitness, Beziehung).
  • Seine Lösung: Er hat sich seine Fehler aufgeschrieben und physisch neben seinen Bildschirm gehängt, um sich täglich daran zu erinnern. Er wird weitermachen, seine Risiken kontrollieren und an sich arbeiten.

Ziel des Videos:
Kyle möchte mit dieser ehrlichen Aufarbeitung auch anderen Tradern helfen, die ähnliche Probleme durchmachen. Es ist eine Dokumentation für die Zukunft und eine Erinnerung daran, niemals aufzugeben und die Fehler zu identifizieren, anstatt sich davon unterkriegen zu lassen.

Noch ein paar Worte zu den Kosten:

Ausgaben (Kosten für Prop-Firmen-Accounts)

Dies ist der Bereich, den Kyle als sein größtes Problem identifiziert. Die Kosten entstehen durch den Kauf von Evaluierungs- und Instant-Funding-Accounts, die er dann verloren hat („blow out“).

Das Problem dabei: Die Drawdown-Limits auf diesen kleinen Accounts sind sehr eng. Der statistische Hebel ist gegen ihn, da schon kleine Marktbewegungen ihn ausstoßen, es sei denn, er scalpt mit sehr engen Stops – was er als „glücksabhängig“ bezeichnet.

Gesamtausgaben für Prop-Firmen (Jan-Sep):$131.000

Diese Summe repräsentiert das gesamte Geld, das er in diesem Jahr für den Kauf von Trading-Accounts bei verschiedenen Prop-Firms ausgegeben hat.

Höhepunkt der Ausgaben: Der März

Allein im Monat März gab er über $40.000 für Prop-Firmen-Accounts aus.

Dieser Monat war ein massiver Rückschlag und ein klares Beispiel für sein Overtrading-Problem.

Problematische Strategie: „Instant Funding“ und kleine Accounts

Kyle gibt zu, dass Instant-Funding-Prop-Firms ein besonders großes „Geldgrab“ für ihn waren.

Grund: Diese Accounts sind extrem teuer (er nennt das 5-6 fache des Preises eines Evaluierungs-Accounts), aber die Auszahlungen sind vergleichsweise gering.

Er kaufte viele $50.000-Accounts (wahrscheinlich von Firmen wie „Funding Ticks“) und handelte dort mit Mini-Kontrakten.

Das Problem dabei: Die Drawdown-Limits auf diesen kleinen Accounts sind sehr eng. Der statistische Hebel ist gegen ihn, da schon kleine Marktbewegungen ihn ausstoßen, es sei denn, er scalpt mit sehr engen Stops – was er als „glücksabhängig“ bezeichnet.

Fazit:

Falls sich hier jemand wiedererkennt – zieht euch das Video rein. Sicher spielt er finanziell in einer anderen Liga, aber die Fehler sind die gleichen, wie sie tausende andere auch machen. Ich hoffe mal, dass er nach etwas Abstand einen soliden Neustart hinlegt und wünsche ihm dafür wirklich Glück. Häme ist also fehl am Platz.